Alleine mit der Kraft der Gedanken einen Text schreiben – verrückte Vorstellung, oder? Nur mithilfe purer Gedankenkraft schreiben zu können klingt geradezu utopisch und erinnert an einen Science Fiction Film. So abwegig ist das Ganze aber gar nicht mehr, denn genau daran arbeitet Facebook bereits seit einigen Jahren. Wie steht es heute um das Projekt Gedankensteuerung?

Der Social-Media-Riese Facebook arbeitet und erforscht die Kraft der Gedanken schon seit 2017. Seit zwei Jahren versucht Facebook Wege zu finden, wie menschliche Überlegungen direkt in Text umgewandelt werden können.

Gedankensteuerung

Bereits an der Facebook Entwicklerkonferenz F8 vor zwei Jahren nannte man als Beispiel das Verschicken einer Textnachricht. Laut Facebook-Managerin Regina Dugan soll man mithilfe der Gedankensteuerung Textnachrichten verschicken können, ohne dass man dafür das Smartphone aktiv bedienen muss. Wie könnte das in Zukunft also aussehen?

Grosse Fortschritte in der Forschung

Um das Ganze überhaupt möglich zu machen, braucht es eine Schnittstelle zwischen menschlichen Gedanken und dem Computer.

An amerikanischen Universitäten testet man bereits die Verfahren zur Messung von Gedankenströmen. Die Facebook-Managerin Regina Dugan hat bereits vor zwei Jahren auf eine Studie der Stanford-Universität verwiesen. Damals ist es einer gelähmten Frau gelungen, über Gedankenströme bis zu 8 Wörter pro Minute am Computer zu schreiben. Das Ganze wurde durch Elektroden im Gehirn ermöglicht, welche Buchstabe für Buchstabe aufzeichneten.

Regina Dugan, F8 Entwicklerkonferenz 2017 (Facebook)

Laut einer aktuelleren Studie auf der Plattform Nature Research haben Wissenschaftler jetzt einen nächsten Durchbruch geschafft. Erstmals überhaupt konnte man gesprochene Wörter und Sätze in Echtzeit aus Hirnsignalen ablesen. Auch hier kamen aber noch immer Implantate zum Einsatz. Dank der Implantate erreichte man bereits eine vergleichsweise hohe Genauigkeit bei den Aufzeichnungen.

Die Zukunft der Mess-Sensoren

Solche implantierten Elektroden sind natürlich keine geeignete Technologie für den Masseneinsatz. Die Herausforderung liegt nun darin, eine Schnittstelle zwischen Gehirn und Computer zu finden, die nicht-invasiv ist, also nicht in den Körper eingepflanzt werden muss. Es könnte noch eine Weile dauern, bis eine Lösung auf den Markt kommt, die ganz ohne Implantate funktioniert.

Facebook Gedankensteuerung

Amerikanische Forscher sind gerade dabei, sehr empfindliche Sensoren zu entwickeln, welche die Gehirnaktivität von der Kopfoberfläche aus überwachen können. Wenn das erstmal gelingt wird die Gedanken-Aufzeichnung in Echtzeit noch weiter forschreiten. Der Mensch wird dann in der Lage sein, ganze Worte aufzuzeichnen und sich sogar in anderen Sprachen auszudrücken, ohne dass er diese lernen muss.

Neue Mensch-Maschine-Schnittstelle: Fluch oder Segen?

Wenn es soweit ist, wird das Texten mithilfe der Gedanken viele Lebensbereiche revolutionieren und die Lebensqualität von zahlreichen Menschen verbessern. Stumme Menschen und Menschen mit Behinderung bekommen wieder eine Stimme. Whatsapp-Nachrichten oder Suchanfragen können mit den Gedanken geschrieben werden. Das Smartphone muss für solche Aufgaben nicht mehr angerührt werden. Bis die Technologie aber soweit ausgereift ist wird es noch eine Weile dauern. Die Schnittstelle zwischen Mensch und Computer wird sich in den kommenden Jahren ganz neu gestalten. Neben den genannten Vorteilen stellt sich aber manch einer die Frage: Wie lange wird es dann wohl dauern, bis die neue Technologie unsere Gedanken gegen uns verwenden kann?

Quelle Studie: David A. Moses, Matthew K. Leonard, Joseph G. Makin & Edward F. Chang (2019): “Real-time decoding of question-and-answer speech dialogue using human cortical activity”. Nature Communications. doi:10.1038/s41467-019-10994-4.

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