Der nachfolgende Text ist aus einem Insider Artikel von Céline Flores Willers, einer bekannten Gründerin, Innovation Consultant, Moderatorin und Digital Business Influencerin.

Was ich an der Frauenquote am Schlimmsten finde, ist Folgendes: Sie schadet dem Ruf von Frauen, die sich ihre Position aus eigener Kraft erarbeiten. Es wird immer heißen: „Ach, die ist ja nur da wegen der Quote“. Außerdem sollten wir uns an dieser Stelle fragen, ob es gegenüber talentierteren Männern fair ist, wenn sie tatsächlich einmal nur wegen der Quote das Nachsehen gegenüber einer Frau haben.

Genau dieser Aussage von Céline schliessen wir uns gerne an. Wir sind stolz darauf, 50% Frauen zu beschäftigen, dies tun wir aber, weil wir von den Qualitäten & Talenten dieser Frauen überzeugt sind – nicht weil es eine Quote geben sollte.

 

Frauenquote

 

  • Es gibt wenige Frauen in Vorständen, weil wenige dorthin drängen
  • Statt Quoten brauchen wir Motivation, Selbstbewusstsein und Empowerment
  • Das gilt für alle Bereiche im Leben – nicht nur für Führungspositionen

 

Frauenquote für Vorstände: Höchste Zeit oder veraltetes Konzept?

Der Frauenanteil in deutschen Vorständen liegt bei weniger als zehn Prozent. Zwei SPD-Ministerinnen wollen nun einen Gesetzentwurf vorlegen, um das mit einer Quote zu ändern. Ein richtiger Schritt?

FüPoG – ein klug anmutender Name für ein wenig kluges Gesetz. Es soll für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen sorgen, mit bisher überschaubarem Erfolg. Trotzdem wollen Bundesjustizministerin Christine Lambrecht und Bundesfrauenministerin Franziska Giffey es noch verschärfen, da es bisher „nur“ eine Quote für Aufsichtsräte vorschreibt. Sie machen sich stark für eine allgemeine gesetzliche Frauenquote, zumindest aber für eine in Vorständen.

Den momentanen Frauenanteil von 10,4 Prozent (DIW, 2019) in deutschen Vorständen schieben viele auf die Engstirnigkeit machtverwöhnter weißer Männer. Mit machtverwöhnten Männern hat das meiner Meinung nach aber wenig zu tun. Anstatt für Gleichberechtigung zu sorgen, schafft eine Frauenquote Chancenungleichheit an anderer Stelle und geht nicht gegen die eigentlichen Probleme vor – im Gegenteil.

Typ Quotenfrau

Was eine gesetzliche Regelung zur Geschlechterquote in Vorständen wirklich schafft, ist keine Gleichberechtigung, sondern eine neue Schublade für Frauen: die „Quotenfrau“. Eine Quotenfrau hat sich ihren Erfolg nicht selbst erarbeitet, sondern ist, wo sie ist, weil ein Gesetz das so entschieden hat. Sie schadet also dem Ruf von Frauen, die sich ihre Position aus eigener Kraft erarbeiten. Auf der anderen Seite sollten wir uns fragen, ob es gegenüber talentierteren Männern fair ist, wenn sie tatsächlich einmal nur wegen einer Quote das Nachsehen gegenüber einer Frau haben. Durch den Drang einiger Politiker, mithilfe eines Gesetzes Gleichberechtigung zu schaffen, wird die eigentliche Chancengleichheit abgeschafft. Nicht mehr Fähigkeit, Persönlichkeit und Talent siegen, sondern eine Quote.

Werfen wir außerdem einen Blick in die USA: Dort sind laut verschiedener Quellen die Rahmenbedingungen für Frauen in Führungspositionen am schlechtesten im internationalen Vergleich. So wird für Vereinbarkeit von Beruf und Familie beispielsweise deutlich weniger getan. Trotzdem besetzen Frauen fast 30 Prozent der Vorstandsposten in den „30 Dow-Jones-Unternehmen“ (vergleichbar mit DAX-30-Konzernen in Deutschland). Allgemein sind es mit rund 40 Prozent in Führungspositionen sogar noch mehr Frauen. Kalifornien hat übrigens als erster Bundesstaat eine Quote eingeführt, und das erst 2018. Es geht also offensichtlich auch ohne!

Wer steht hier wem im Weg?

Warum sollten erst künstlich Plätze in Vorständen geschaffen werden, um Frauen zu motivieren? Motivation, Selbstbewusstsein und Können werden sie ganz von selbst an dieses Ziel bringen. Aktuell noch nicht ausgewogen, weil zwar das Können, bisher aber noch nicht Motivation und Selbstbewusstsein von Frauen dem der Männer entspricht.

Anders gesagt: Frauen schaffen sich die gläserne Decke häufig selbst. Sie pressen sich selbst in die Rolle der ungerecht Behandelten, der der Griff nach Macht versagt wird. Dabei sind sie es selbst, die einfach nicht die Hand ausstrecken und sagen: Ich will!

Meiner Meinung nach ist die strukturelle Ungleichheit in Deutschland heute nicht mehr schuld an der aktuellen Situation. Nicht „Female Empowerment“ kann da helfen, sondern nur „Me-Empowerment“. Und übrigens auch das Empowerment anderer Frauen. Sollte selbstverständlich sein? Leider fällt es Frauen meiner Erfahrung nach oft schwerer, sich gegenseitig Chancen einzuräumen. Bitter!

Frauen dürfen auch andere Visionen verfolgen

Zudem vergessen wir leicht die Frage: Ist eine Führungsposition überhaupt ein erstrebenswertes Ziel aus Sicht der meisten deutschen Frauen? Die energische Debatte rund um das Thema lässt häufig den Eindruck entstehen. Allerdings: Gerade einmal 34 Prozent der befragten Frauen in einer Studie der Initiative „Chefsache“ streben eine Führungsposition an. Unter den Männern sind es 42 Prozent.

Viele Frauen wollen karrieretechnisch gar nicht empowert werden, sondern längeren Mutterschaftsurlaub für ihre Kids, die Beschaffenheit ihrer Bratkartoffeln optimieren oder im Ehrenamt aktiv sein. Ich sage: Do it! „Female Empowerment“ kann und sollte uns nicht vorgaukeln, dass nur der Chefsessel ein erstrebenswertes Ziel ist. Gleiches gilt für Männer! Die Frauenquote lenkt mit ihrer Absicht auch deshalb in die falsche Richtung.

Die Rechnung ist meiner Meinung nach ganz einfach: Gibt es immer mehr motivierte und smarte Frauen, die in die Vorstände drängen, wird es auch immer mehr motivierte und smarte Frauen in Vorständen geben. In Deutschland sollten Talente gefördert werden – völlig egal welchen Geschlechts, welcher Nationalität, Hautfarbe oder Religion.

 

Anderer Meinung? Lass es uns gerne in den Kommentaren wissen!

Link zum Original-Beitrag auf Xing von Céline Flores Willers

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